Ich habe heute den wunderbaren Gerald Hüther gehört. Er sprach davon, wie wir als Eltern unsere Kinder zum Objekt machen. Aus dieser Wunde, dass wir zum Objekt gemacht wurden, machen wir als Erwachsene ebenfalls unser Gegenüber, andere Menschen, Kinder, uns selbst zum Objekt. Es handelt sich also um eine regelrechte Seuche der Objektivierung der Umwelt.
Wie geht das vor sich? Das Kind wird drangsaliert: „Mach es so! So ist es falsch! Sei lieb! Du willst doch bestimmt das? Ich weiß, was gut für dich ist. Ich erwarte, dass du so oder so wirst “ Und es passiert auch sehr subtil. Das Objekt hat zu funktionieren. Sich einzufügen. Wenn wir zum Objekt gemacht werden, werden wir in unserer Seele, in unserer Einzigartigkeit nicht gesehen. Das wir soviel mehr als nur ein Automat sind. Natürlich brauchen Kinder Grenzen, wo sie sie selbstverständlich testen. Manchmal müssen wir etwas durchziehen im Alltag. Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, wenn wir das Kind grundsätzlich als Objekt behandeln. Das Kind wird zutiefst frustriert in seinem Bedürfniss nach bedingungsloser Zugehörigkeit und seinem freien Gestaltungswillen.
Um damit zurecht zu kommen, haben wir damals eine Lösung entwickelt, die heute das Problem ist. Viele Menschen leben heute wie Automaten. Auf Autopilot- außen funktionieren und leisten- innen ausgebrannt, erschöpft und leer. Alles in unserer Welt von heute haben wir zum Objekt gemacht. Konsumiert. Die Umweltkatastrophe ist Folge dieser Einstellung. Wenn wir die Welt zum Objekt machen, trennen wir uns ab. Die weit verbreitete Einsamkeit ist genauso Folge davon.
Der Rationalismus (konsequentes zum Objekt machen) hat uns Technik ermöglicht, doch das „richtige“ Denken hat einen Schatten: Den Wahnsinn. Den erleben wir tagtäglich. Ich würde sagen Gesundheit findet sich in der Mitte zwischen Wahnsinn und Logik. Wer nicht ein bisschen verrückt ist, ist wirklich wahnsinnig. Das Sein ist zutiefst irrational. Das Universum ist magisch. So ernst ist das Leben nicht gemeint. So ernst sollten wir unsere Ideen nicht nehmen.
Das Buch von Andreas Weber, Indigenialität, beschreibt, was uns aus der Patsche helfen könnte. Vielleicht mal mit einem frischen, unimperialistischen, nicht-überheblichen Blick auf die letzten indigenen Kulturen dieser Erde schauen. Wie haben die es eigentlich so geschafft zehntausende von Jahren zu überleben? Gibt es etwas Wertvolles zu erinnern? Sicherlich bestimmt die Frage, wie sehr wir uns als Teil dieser Welt sehen, unser Überleben. Bemerkenswert ist, dass das, was uns als Kind individuell das Überleben sicherte, heute kollektiv das Überleben gefährdet.
Statt Rationalismus können wir uns als Beziehungswesen verstehen. Wir müssen nicht glauben (Gott bewahre) sondern können untersuchen und lebendig herausfinden (mit einer positiven Erwartungshaltung), dass wir gemeint sind. Wir Menschen sind nicht der Natur entfremdet, auch wenn es sich so anfühlt. Alles ist Natur. Wir sollen leben! Wir sind frei uns zu entscheiden. Wir können der Umwelt dankbar sein.
Dankbarkeit ist für uns oft vergiftet. Wie oft haben wir gehört: „Sei dankbar“ „Bedank Dich mal“ Da wurden wir zum Objekt gemacht. Ich meine, ich denke mal darüber nach, wie abhängig (und gleichzeitig verbunden) ich bin. Was ich täglich alles brauche und bekomme, um gut leben zu können. Das ist so grundlegend, dass wir es oft übersehen. „Ich danke der Sonne, die meinen Tag erhellt. Ich danke dem Trinkwasser, das meinen Körper nährt. Ich danke dem Maurer, der die Steine für das Haus gesetzt hat, in dessen Schutz ich gerade sitze. Ich danke meiner Mutter, die mich unter großer Mühe geboren und aufgezogen hat, Ich danke dem Körper, den ich bewohne, der das abgefahrendste Wunderwerk des Kosmos ist, gebaut von einer Intelligenz, die alles in den Schatten stellt…“ Eigentlich ist das ein wirkliches Gebet. Ein Gebet an den Planeten. Ein Bekenntnis zu unserer Existenz.