Bewusstseinserweiterung und die Angst

Warum spüren viele Menschen ein Unbehagen, wenn es um veränderte Bewusstseinszustände geht?

Unkontrollierte Handlungen und Gedanken, Wahnsinn und Psychatrie mögen die Assoziationen sein. Die Hippiebewegung in den 60er Jahren, die wahllose Einnahme von hochdosierten LSD Trips auf der Straße führten teils zu zahlreichen Problemen und Überforderungen. Präsident Nixon reagierte scharf, rief den war-on-drugs aus, Angst vor den gesellschaftlichen Revolten machte sich breit. Bewusstseinserweiterung wurde generell verteufelt, der Psychiatrie fast alle Forschung zu Psychedelika gestrichen. Zahlreiche Lügen wurden zur Abschreckung verbreitet. Heute erleben wir eine Renaissance dieser Substanzen. Geblieben ist die Paranoia.

Die wurzelt im Westen noch viel tiefer. Die Christianisierung des Abendlandes erhebte das Monopol auf die lebendigen Götter der „Heiden“. Sie institutionalisierte die lebendige Gotteserfahrung. Nur Jesus war jetzt der Sohn Gottes. Die Kultur des Schamanismus in Europa wurde systematisch und brutal vernichtet. Bamberg war ein Hochzentrum der Hexenfolterung und -verbrennung. Ein erweitertes Bewusstsein zu haben war lebensgefährlich. Das ist uns kollektiv eingebrannt.

Seit es den Menschen gibt, verändert er sein Bewusstsein. Er verändert seine Hirnchemie zB. durch Fasten, Meditation, Initiationen durch Schmerz und Nahtodeserfahrungen, psychoaktive Pflanzen, Pilze, Tiere und Chemikalien, Reizentzug, Reizüberlastung, Schlafentzug, Musiktrance, intensives Yoga, Holotropes Atmen usw. In allen nichtwestlichen Kulturen ist das bis heute kulturell vollkommen eingebettet. Zur persönlichen und kollektiven Heilung, zur Linderung von Krankheit, Ungleichgewichten und spiritueller Anbindung.

In der christlichen Überlieferung wird der Teufel, das Böse dem guten oder auch strafenden Gott gegenübergestellt. Der Schatten, das was nicht sein darf wird in das Unbewusste verdrängt, wo es weiter ungesehen wirkt. So entwickeln wir die Angst vor dem Unbekannten, Dämonischem und ziehen uns weiter zurück. Das Wilde, allzu lebendige wird ausgelagert. In die Kunst verdrängt, die Künstler werden artig beklatscht und idealisiert. Das Publikum wurde dafür immer unlebendiger. Das Ich, das sich als getrennt empfindet, besteht aus Angst. Das Ich fühlt sich sicher im eigenen Gefängnis, das Andersartige, Unbekannte und Neue wird erstmal bekämpft.

Ein würdiges Leben als Mensch ist das nicht. Das Leben zu leben, zu lieben und es nicht zu vermeiden ist unsere Sehnsucht. Ganzwerden. Die Bewusstseinserweiterung erschliesst uns die unbewussten Inhalte unserer Psyche, das Licht und die Schatten. Sie wollen integriert und in uns lebendig werden.

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